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Scale

Neue Möglichkeiten der Mittelstandsfinanzierung

Beitrag NEXT 02/17

Die Deutsche Börse möchte mit dem neuen Börsensegment „Scale“ kleine und mittelständische Unternehmen für den Kapitalmarkt begeistern.

Wie entstehen in Europa neue große Unternehmen? Wie können gute Ideen zu stetigem Wachstum und neuen Arbeitsplätzen führen? Vor 14 Jahren scheiterte das Börsensegment „Neuer Markt“, das während des Technologie-Booms für Start-ups geschaffen wurde. Nun hat die Deutsche Börse ein neues Wachstumssegment eröffnet, damit Firmen sich über den Börsenmarkt finanzieren können und bessere Zukunftschancen haben. Auch die deutsche Aktienkultur soll auf diese Weise weiterentwickelt werden. Unter dem Namen „Scale“ sind seit März 2017 bereits 46 kleine und mittelständische Unternehmen von Beginn an dabei. In diesem Zusammenhang wurde der Entry Standard, das Segment mit den aktuell niedrigsten Berichterstattungspflichten für Aktien und Anleihen, abgelöst. Die Segmente des regulierten Markts (General Standard und Prime Standard) bleiben von dieser Entwicklung unberührt.

Worum geht es dabei konkret?

Das neue KMU-Segment „Scale“ hat keinen Branchenschwerpunkt und richtet sich vor allem an Unternehmen mit einem erprobten Geschäftsmodell, die sich schon einige Zeit am Markt behaupten konnten. Derzeit sind bei „Scale“ neben Aktien von Finanztechnologiefirmen wie Finlab und MyBucks auch Industrieunternehmen wie die Daldrup & Söhne AG und die Nanogate AG im Segment gelistet. Mit von der Partie sind auch Anleihen, beispielsweise vom Bundesligisten Schalke 04 oder der Karlsberg Brauerei.

Strengere Zugangsvoraussetzungen

Eine Skandalserie wie beim „Neuen Markt“ soll verhindert werden. Damit sich die damaligen Pleitewellen und Betrugsfälle nicht wiederholen, hat die Deutsche Börse neue Rahmenbedingungen aufgestellt. Im Vergleich zum Entry Standard fallen sie deutlich schärfer aus. So ist jedes potenzielle Unternehmen dazu verpflichtet, mit sogenannten „Deutsche Börse Capital Market Partnern“ (Banken, Beratungsunternehmen, Wirtschaftsprüfer, Anwälte) zusammenzuarbeiten.

Ausgewählte Research-Unternehmen führen zudem eine Analyse durch, bei der die Eignung des Unternehmens für das Segment genau geprüft wird. Außerdem müssen vor dem Börsenstart mindestens drei von vier wesentlichen Unternehmenskennzahlen erfüllt werden:
Jahresumsatz > M € 10,0
Jahresüberschuss > € 0,0
Bilanzielles Eigenkapital > € 0,0
Mitarbeiter > 20

Hinzu kommt, dass nur Unternehmen zugelassen werden, die eine Geschäftshistorie von mehr als zwei Jahren vorweisen.

Für wen eignet sich „Scale“?

Die Deutsche Börse tritt mit der Eröffnung von „Scale“ verstärkt in den Wettbewerb mit mittelständischen Beteiligungsunternehmen und Banken. Gerade Unternehmen, die einen Transformationsprozess durchlaufen und im Rahmen einer Wachstumsstrategie frische Liquidität einwerben wollen, begrüßen das neue Börsensegment. Sie bekommen dadurch die zusätzliche Option, sich über den Kapitalmarkt zu finanzieren. Gleichzeitig lässt sich so das im Mittelstand weit verbreitete Problem der Nachfolge erleichtern.

Ein Schritt in die richtige Richtung?

Während zahlreiche Unternehmen die Einführung des KMU-Segments bereits ausdrücklich gelobt haben, sind andere Marktteilnehmer noch skeptisch. Gegen die Finanzierung am Kapitalmarkt sprechen die erhöhten Kosten und Gebühren sowie die Transparenzvorschriften. Unter anderem müssen verschärfte Ad-hoc-Pflichten eingehalten, Halbjahres- und Jahresabschlüsse erstellt und mindestens eine Analystenkonferenz pro Jahr abgehalten werden. Kontrovers zu betrachten ist auch die öffentliche Außenwirkung eines Börsengangs. Es bleibt für Investoren daher abzuwarten, ob die neuen verschärften Zulassungsvoraussetzungen tatsächlich zu einer nachhaltigen Stabilität im KMU-Segment führen. Die erste Bewährungsprobe wird die Refinanzierungswelle der in den Jahren 2018 und 2019 auslaufenden Anleihen darstellen. Sind Sie unsicher, ob für Sie die Chancen oder die Risiken überwiegen? Wenden Sie sich gerne an uns, unsere erfahrenen Berater unterstützen Sie gerne mit ihrem fundierten Know-how.

Der Zugang wird nicht nur komplizierter, sondern auch etwas teurer. Im Vergleich zum ehemaligen Entry Standard sind die Kosten für die Aufnahme und die Notierung in „Scale“ deutlich höher. Die Zulassungsgebühr setzt sich aus einem Fixbetrag in Höhe von T€ 20,0 und einem von der Marktkapitalisierung abhängigen variablen Entgelt zusammen. Im Entry Standard betrug die Zulassungsgebühr lediglich T€ 1,5. Dafür übernimmt die Deutsche Börse die Kosten der Research-Unternehmen. Statt einer jährlichen Notierungsgebühr von T€ 5,0 wird nun eine Quartalsgebühr in gleicher Höhe fällig.


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