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Schutzschirmverfahren 2017-05-24T11:35:48+00:00

Was ist ein Schutzschirmverfahren oder eine Eigenverwaltung?

Ein Turnaround sollte stets außerhalb einer Insolvenz erfolgen – dennoch kann ein Schutzschirmverfahren oder eine Eigenverwaltung mitunter vorteilhaft sein. Seit am 01.03.2012 das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) in Kraft trat, sieht die Insolvenzordnung die Möglichkeit eines sogenannten Schutzschirmverfahrens vor. Dessen Ziel ist es, die Sanierungschancen zu verbessern, indem Schuldner und Gläubiger als handelnde Akteure miteinbezogen werden – und so alle Beteiligten eine größere Planungssicherheit hinsichtlich des Verfahrensablaufs erhalten.

Das Schutzschirmverfahren ist auf die Erstellung eines Insolvenzplans ausgelegt und soll dem Schuldner (in der Regel drei Monate) Zeit geben, einen Insolvenzplan zu erarbeiten. Es handelt sich nicht um ein sogenanntes „Moratorium“: Gläubiger können ihre Forderungen also fällig stellen. Allerdings kann es gelingen, mit ihnen eine Einigung außerhalb der Insolvenzordnung zu finden.

So läuft ein Schutzschirmverfahren ab.
Das Schutzschirmverfahren setzt einen „normalen“ Insolvenzantrag voraus, der nur wegen Überschuldung oder drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt werden darf. Bei bereits eingetretener Zahlungsunfähigkeit ist der Weg in das Schutzschirmverfahren versperrt.

Auf Antrag ist der Schuldner für maximal drei Monate vor Maßnahmen der Zwangsvollstreckung geschützt. Während der Laufzeit des Schutzschirmverfahrens können der Betrieb fortgeführt und Masseverbindlichkeiten begründet werden – allerdings unterliegt der Schuldner der Aufsicht eines (vorläufigen) Sachwalters, den er bei Gericht vorschlagen kann und der in der Regel akzeptiert wird.

Sollten alle Bemühungen scheitern – meist, weil die finanzierende Bank kein neues Kapital zur Verfügung stellt –, kann das Schutzschirmverfahren aufgehoben werden. Im Falle einer Zahlungsunfähigkeit muss das Gericht dann unverzüglich informiert werden.

Sobald die Frist zur Vorlage des Insolvenzplans abgelaufen ist, wird über die Eröffnung des Insolvenzverfahrens und die Bestellung eines Insolvenzverwalters oder eines Sachwalters entschieden – soweit es um die Anordnung der Eigenverwaltung geht. Der vorläufige Sachwalter aus dem Schutzschirmverfahren muss dabei nicht zwingend das Insolvenzverfahren übernehmen.

Insolvenz abwenden trotz Insolvenzantrag.
Bis zur Eröffnung der Insolvenz kann der Insolvenzantrag noch zurückgenommen werden; dann entfällt auch das Schutzschirmverfahren. Diese Konstellation ist denkbar, wenn sich Schuldner und Gläubiger vor Ablauf der drei Monate – ohne Insolvenzplan – einigen. Ansonsten wird im eröffneten Insolvenzverfahren über den Insolvenzplan abgestimmt, der während des Schutzschirmverfahrens erarbeitet wurde.

nexpert unterstützt Sie gern bei der Entscheidungsfindung und arbeitet für Sie die wirtschaftlichen und strategischen Vorteile heraus. Auch können Sie auf unsere praktischen Erfahrungen mit einem Turnaround im Schutzschirm bzw. in einer Eigenverwaltung zurückgreifen.

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