Chief Restructuring Officer

Der Manager der Krise

Ein Chief Restructuring Officer (kurz: CRO) wird auch Interimsmanager genannt, da er nur für einen begrenzten Zeitraum im Einsatz ist. Er hat sich auf die Restrukturierung von Unternehmen spezialisiert. In der Regel wird er ein weiteres Mitglied der Geschäftsführung oder des Vorstands und erhält neben dem Restrukturierungsauftrag auch weitreichende Umsetzungsbefugnisse.
Um das Unternehmen nachhaltig aus der Krise zu führen, stellt der CRO ein Team aus internen Mitarbeitern und externen Beratern zusammen und hält der bestehenden Geschäftsführung den Rücken für das Tagesgeschäft frei. Ein CRO sollte unbedingt unternehmerisches Verständnis mitbringen und zur Weiterentwicklung der Firma entscheidend beitragen, statt nur Kosten zu reduzieren.

Anforderungen

Je nach Situation und Größe des Unternehmens braucht ein guter CRO ganz unterschiedliche Fach- und Branchenkenntnisse. Um die Krisensituation zu analysieren und wichtige Maßnahmen umzusetzen, sollte ein Interimsmanager unbedingt die folgenden Fähigkeiten und Kompetenzen mitbringen:

1. Soziale Kompetenz: Jede Krise beginnt in der Regel mit einer Führungskrise. Der CRO muss die Wogen glätten und hilfreiche Impulse geben können. Wichtige Persönlichkeitsmerkmale sind dabei:

  • Selbstständigkeit, Eigeninitiative und persönliche Courage
  • Ausgewogenes Maß an Führungsautorität und Führungsintensität
  • Kommunikations- und Begeisterungsfähigkeit, um Menschen für ein Thema zu gewinnen
  • Empathie und emotionale Kompetenz, um auch in schwierigen Situationen zu überzeugen
  • Konfliktbereitschaft und Konfliktfähigkeit
  • Realistischer Optimismus und hohe psychische Widerstandsfähigkeit

2. Umsetzungskompetenz: Kritische Phasen, in denen wichtige Entscheidungen getroffen werden, müssen CRO unbedingt beherrschen. Im Laufe einer Restrukturierung setzt er die notwendigen Maßnahmen konsequent um und weicht den unangenehmen Entscheidungen nicht aus. Dafür muss er über die folgenden Eigenschaften verfügen:

  • Operative, ergebnisorientierte Umsetzungsstärke
  • Hohes Maß an Integrationsfähigkeit
  • Ausgeprägter Veränderungswille
  • Entscheidungsfreude und Risikobewusstsein
  • Durchsetzungsfähigkeit und Konsequenz
  • Belastbarkeit und Beharrlichkeit
  • Fähigkeit zur pragmatischen Entscheidungsfindung auch in unklaren, komplexen Situationen
  • Unabhängigkeit, um nicht zwingend auf einen Auftrag angewiesen zu seinHohe kognitive Fähigkeiten

3. Hohe kognitive Fähigkeiten: Jeder Manager sollte über ausgeprägte kognitive Fähigkeiten verfügen, um unter Zeit- und Erfolgsdruck nachhaltige Ideen entwickeln zu können. Für die Arbeit des CRO ist jede Aktivität wichtig, die zur Verarbeitung von Wissen genutzt wird – wie zum Beispiel das Wahrnehmen, Erinnern, Denken und der Einsatz von Sprache. Hilfreich sind darüber hinaus folgende Kompetenzen:

  • Gutes Zahlenverständnis
  • Kompetenter Umgang mit dynamischen, komplexen Szenarien
  • Strategische und konzeptionelle Weitsicht
  • Veränderungsmöglichkeiten wahrnehmen, Maßnahmen formulieren und umsetzen zu können

4. Management- und Methodenkenntnisse: Ein CRO muss die unternehmerische Herangehensweise für einen erfolgreichen Turnaround genau kennen. Um die komplexen Veränderungen zu steuern und dabei das Vertrauen der Mitarbeiter nicht zu verlieren, benötigt ein guter Chef-Restrukturierer klassische Management- und Methodenkenntnisse. Dazu zählen beispielsweise:

  • Erfahrungen im Krisenmanagement und Change Management
  • Reifegradorientierte Mitarbeiterführung
  • Kommunikation mithilfe von Berichts- und Führungskaskaden
  • Kenntnisse im agilen Projekt- und Multiprojektmanagement
  • Betriebswirtschaftliche Kenntnisse
  • Nutzung von sinnvollen Steuerungsinstrumenten wie KPI-Systeme und Kennzahlen

5. Fachkenntnisse: Die Analyse des Geschäftsmodells und die Entwicklung von nachhaltigen Strategien werden nur erfolgreich sein, wenn ein Interimsmanager über das erforderliche Branchen- und Firmenwissen verfügt. Folgende Kompetenzen muss ein CRO mitbringen, um die Anforderungen im Laufe der Restrukturierung bewältigen zu können:

  • Juristische Kenntnisse, die eine Einschätzung der rechtlichen Besonderheiten der Unternehmenskrise ermöglichen
  • Finanzwirtschaftliche Kenntnisse mit Schwerpunkt Controlling sowie Finanz- und Rechnungswesen
  • Leistungswirtschaftliche Kenntnisse mit Schwerpunkt Operationsprozesse und Vertrieb (sofern sich entsprechende Aufgaben aus dem Sanierungsgutachten ergeben)
  • Fähigkeit, eine fundierte, integrierte Unternehmensplanung zu erstellen und zu verstehen

6. Umfangreiche Erfahrung: Ein CRO sollte umfangreiches Know-how aus vergleichbaren Situationen vorweisen können, um in kürzester Zeit passgenaue Lösungen erarbeiten zu können. Folgende Mindesterfahrungen sind dabei wichtig:

  • Weitreichende Führungserfahrung in mindestens drei unterschiedlichen Unternehmen Entsprechende Führungssicherheit in einem Unternehmen in der Krise (über eine Dauer von mehr als zwölf Monaten) sowie in einem Unternehmen, das eine ähnliche Größe hat
  • Ausreichend internationales Know-how (nur für den Fall, dass der Kunde weltweit agiert)
  • Langjährige Erfahrung im Umgang mit Banken, Warenkreditversicherern und allen sonstigen Finanzierern
Notwendigkeit

Während der letzten Jahre hat sich die Rolle des Chief Restructuring Officer entscheidend verändert. Mittlerweile ist er nicht mehr nur als Retter in der letzten Sekunde gefragt, sondern kommt im besten Fall frühzeitig zum Einsatz. Wenn sich Unternehmen in einer Erfolgs- und/oder Liquiditätskrise befinden, können sie ohne tiefgreifende und häufig strukturverändernde Maßnahmen ihren Fortbestand nicht mehr sichern. Ein CRO kann in dieser Umbruchphase die Neuausrichtung vorantreiben. Ein Turnaround ist im Grunde ein klassischer Changeprozess – allerdings unter verschärften Bedingungen. Das Management wird dabei mit komplett neuen Herausforderungen konfrontiert und externe Unterstützung benötigen, wenn einer der folgenden Punkte zutrifft:

  • Mangelnde Erfahrung für die konsequente Umsetzung: Die definierten Sanierungsmaßnahmen müssen die Wettbewerbsfähigkeit wiederherstellen und oft in sehr kurzen Zeiträumen realisiert werden. Dabei gilt es, zahlreiche interne und externe Widerstände zu überwinden. Während dem bestehenden Management oft die umfangreiche Erfahrung bei Turnarounds fehlt, kann ein CRO sein Wissen aus vorherigen Einsätzen einbringen und komplexe Aufgaben leichter meistern.
  • Enorme Zeitknappheit: Eine erfolgreiche Restrukturierung geschieht nicht von heute auf morgen. Je komplexer die Maßnahmen angelegt sind, desto mehr steht das bestehende Management unter Druck. Wenn die Kapazitäten nicht ausreichen, ist zusätzliche Unterstützung durch einen CRO gefragt.
  • Bestehende Vertrauenskrise: Mitarbeiter, Stakeholder und Finanzierer dürfen das Vertrauen in die erforderlichen Maßnahmen nicht verlieren – nur so wird der Sanierungserfolg nicht gefährdet. Wenn die Kommunikation im Unternehmen gestört ist, wird ein CRO zwingend erforderlich. Als weitgehend unabhängiger Dritter kann der Interimsmanager vorhandene Denkweisen und verkrustete Strukturen hinterfragen und neuen Wind in das Unternehmen bringen.

Im Sanierungskonzept sollte der Gutachter zu diesen Fragestellungen eine detaillierte Stellungnahme mit klaren Handlungsempfehlungen abgeben.

Auswahl

Ein erfolgreicher CRO muss nicht nur langjährige Führungserfahrung, sondern auch zahlreiche weitere Persönlichkeitsmerkmale und Kompetenzen aufweisen. Der Erfolg der Restrukturierung hängt stark davon ab, ob der Interimsmanager und das Unternehmen zueinander passen. Die Auswahl des CRO sollte daher von Anfang an sehr sorgfältig erfolgen. Ein strukturierter Rekrutierungsprozess, bei dem Kandidaten sorgfältig geprüft werden, ist dringend erforderlich. Folgende Schritte sind dabei entscheidend:

1. Detailliertes Sollprofil: Der Sanierungsgutachter erstellt in der Regel ein Sanierungsgutachten nach IDW S6 (oder eine ähnliche Einschätzung), um die betriebliche Leistungsfähigkeit zu beurteilen. Er schätzt neben der Darstellung der wirtschaftlichen Entwicklung auch die Wettbewerbs- und mittelfristige Renditefähigkeit sowie die Situation des Managements verbindlich und strukturiert ein. Aus diesem Überblick sollte hervorgehen, ob der Einsatz eines CRO empfehlenswert ist oder nicht. Auf Grundlage seiner Erkenntnisse formuliert der Sanierungsgutachter das jeweilige Sollprofil für den CRO. Folgende Fragestellungen sollten unbedingt beantwortet werden:

  • Welche Situationen und welches Verhalten werden künftig erfolgskritisch sein?
  • Welche Kompetenzen werden zur Bewältigung der künftigen Anforderungen benötigt?

2. Sichtung der Vorschläge: Die Geldgeber, der Sanierungsberater und die Eigentümer orientieren sich bei der Sichtung und Bewertung der Vorschläge am Sollprofil des Gutachters. Nachdem die Kandidaten aussortiert wurden, die nicht die erforderlichen Kompetenzen mitbringen, einigen sich die Beteiligten auf eine kleine Endauswahl. Auswahlgespräche oder Assessment-Center Die Topkandidaten werden im nächsten Schritt genauer geprüft – dies geschieht entweder in einem Assessment-Center oder im Rahmen eines ausführlichen Interviews durch einen erfahrenen Berater für Managementdiagnostik. Das Sanierungsgutachten, das Sollprofil und ein ausführliches Briefing des Sanierungsberaters sind die Basis für die Gespräche. Neben der klassischen Abfrage der Fähigkeiten wird auch das Sanierungskonzept besprochen, damit abgesehen vom erforderlichen Wissen auch das persönliche Engagement des Bewerbers beurteilt werden kann. Im Anschluss fasst der Berater für Managementdiagnostik seine Einschätzungen und Ergebnisse in einem Bericht mit konkreter Empfehlung zusammen.

3. Präsentation der Topkandidaten bei den Geldgebern: Im Anschluss wird der Topkandidat den Finanzierern in einem persönlichen Gespräch vorgestellt. Zur Vorbereitung erhalten die Geldgeber die Dokumentation des Beraters für Managementdiagnostik sowie eine Einschätzung des Sanierungsberaters.

4. Vertragsabschluss und Änderung der Satzung: Nach der erfolgreichen Auswahl kann ein Vertrag mit dem Topkandidaten geschlossen werden, der alle relevanten Inhalte berücksichtigt. nexpert stellt Ihnen dafür auf Wunsch gerne einen Mustervertrag zur Verfügung. Der CRO muss zum zusätzlichen Mitglied der Geschäftsführung bzw. des Vorstandes bestellt werden und benötigt umfangreiche Befugnisse und Vetorechte. Die Geschäftsordnung muss in diesem Zusammenhang entsprechend angepasst werden. Auch dafür erhalten Sie bei uns ein entsprechendes White Paper, das alle wesentlichen Punkte genau erklärt.

Befugnisse

Für die Dauer der Restrukturierung wird der CRO in das Unternehmen integriert. In der Regel ist er übergangsweise als weiteres Mitglied der Geschäftsführung oder als Ersatz für einen bestehenden Geschäftsführer/Vorstand tätig. Die Einbindung in die Firma geschieht häufig aufgrund einer dringenden Empfehlung des Sanierungsberaters und ist meistens eine Auflage der Geldgeber. Der CRO nimmt daher eine absolute Sonderposition ein: Die besonderen Befugnisse des externen Interimsmanagers können gerade in der Anfangsphase Schwierigkeiten mit anderen Managern bzw. dem Gesellschafter/ Unternehmer hervorrufen.

In der Start- und Stabilisierungsphase einer Sanierung hat der CRO ein äußerst umfangreiches Aufgabengebiet und möglicherweise wenige Verbündete. Er ist nicht nur für die operative Steuerung der Gesellschaft verantwortlich, sondern muss zudem die definierten Sanierungsmaßnahmen umsetzen und Gespräche mit den Geldgebern und weiteren entscheidenden Parteien moderieren. Bei der strategischen Ausrichtung gilt es, das Leitbild des Unternehmens zu berücksichtigen und nur Lösungen zu verfolgen, die zur jeweiligen Firmensituation passen. Der CRO sollte stets als Organ der Gesellschaft installiert und mit entsprechenden Vollmachten und Vetorechten ausgestattet sein. Dabei gilt es, die Organisation und den Geschäftsverteilungsplan so zu organisieren, dass der CRO den Fokus auf die Sanierung des Unternehmens legen kann.

Es ist wichtig, dass zumindest eine geringe Führungsspanne für den CRO sichergestellt ist. Die unten stehende Grafik zeigt den erfolgversprechendsten Ansatz. Die Steuerung der sanierenden Projekte (Multiprojektmanagement) wird vom CRO an ein Projekt Management Office (kurz: PMO) delegiert. Das PMO besteht je nach Mandatsgröße aus einem oder mehreren ausgebildeten Mitarbeitern bzw. externen Beratern. Ein sogenanntes Projektportfoliomanagement ermöglicht die Bewertung, Verwaltung und Steuerung aller erforderlichen Schritte. Die nachfolgende Grafik zeigt, welche Rollen und welche Informations-, Entscheidungs- und Eskalationspflichten in diesem Zusammenhang definiert werden müssen.

Einsatzdauer und Kosten

Der Einsatz eines CRO ist immer temporär. Die Aufgaben des Interimsmanagers sollten vorab so detailliert wie möglich benannt werden, damit auch der Zeitpunkt für das Ausscheiden besser gefunden werden kann. Je nach Unternehmen kann der Auftrag darin bestehen, nur erste Teilziele beim Turnaround zu erreichen und für Schadensbegrenzung zu sorgen. Meist beendet der CRO den Einsatz allerdings erst, wenn die komplette Neuausrichtung gelungen ist. Ein nachhaltiger Turnaround sollte innerhalb von etwa 24 Monaten nach Erstellung eines fundierten Sanierungskonzeptes erreicht werden können. Während der ersten 18 Monate steuert der CRO intensiv die Umsetzung der sanierenden Maßnahmen und übergibt im Anschluss die verbleibenden Aufgaben an das bestehende Management. Als wichtige Kriterien für ein erfolgreiches, abgeschlossenes Wirken des CRO gelten die wiederhergestellte finanzielle Grundlage und Rentabilität, die Entwicklung von strategischen Perspektiven sowie das Erreichen eines stabilen Zustands, bei dem das Management wieder übernehmen kann.

Ihr Ansprechpartner

Thomas Kresse
Managing Partner
Hamburg, Frankfurt
+49 (0) 40 21 98 595-0;
+49 (0) 69 40 05 00 85-0
kresse@nexpert.de

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen zu Cookies erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Akzeptieren